Lauren Cochrane trifft den Stylisten hinter unseren Styleguides und spricht mit ihm über Inspiration, Ambitionen und das, was ihn antreibt.
Jordan Dean Schneider erinnert sich noch ganz genau an seine ersten Doc’s. Als Teenager kaufte er sich ein schwarzes Paar aus Wildleder. „Ich habe sie getragen, bis sie völlig durch waren“, erzählt der Stylist. „Irgendwann habe ich sie einem Freund geschenkt – und er trägt sie heute noch. Mit den Jahren sehen immer besser aus. Jedes Mal, wenn ich sie sehe, werde ich ein bisschen nostalgisch.“
Schneider, der auch als Art Director und Creative Consultant arbeitet, hat sein Gespür für Mode zu einem wichtigen Bestandteil seiner kreativen Arbeit gemacht.
Er fotografiert für Magazine wie Man About Town, The Greatest Magazine und The New Order und arbeitet mit Bands wie Fontaines D.C. und Soft Play (ehemals Slaves) zusammen. Sein Markenzeichen ist es, über Trends hinweg zu sehen und etwas zu schaffen, das Bestand hat.
Ich denke immer an das Gesamtbild und die Person, die ich style“, sagt er. „Was würde sie in diesem Moment wohl tragen?
Seine Mutter arbeitete in jungen Jahren als Model, sein Vater – der Stores für verschiedene Marken ausbaute – war ein echter Modefan. „Ich hab mein Gespür für die Mode von meinem Vater“, erzählt Schneider. „Von meiner Mutter habe ich gelernt, dass Mode vor allem Spaß machen soll. Sie hat einen ziemlich extravaganten Stil.“
Und dann war da noch sein Onkel – Inhaber von Accent Clothing, einer Institution für Herrenmode in Leeds. Das Geschäft wurde 1988 gegründet und schloss erst im vergangenen Jahr endgültig seine Türen. Dort machte Schneider Mitte der 2000er-Jahre auch seine ersten Schritte: Als Teenager arbeitete er im Laden und fühlte sich schnell wohl. „Es gehörte einfach dazu, dass wir – alle, die im Einzelhandel gearbeitet haben – uns donnerstagabends getroffen haben“, erinnert er sich. „Leeds war modisch schon immer ziemlich progressiv, auch wegen der vielen Studierenden. Ihr Einfluss hat sich auf die ganze Stadt übertragen – und dadurch war es viel selbstverständlicher, modisch neue Wege zu gehen.“
Doch zu Schneiders modischer Selbstfindung gehörte noch mehr als Familie und der Alltag im Store. Auch seine Schulzeit hat ihn geprägt. Über seine Style-Experimente aus den frühen bis mittleren 1990er-Jahren kann er heute nur schmunzeln. „Ich war regelrecht besessen davon, dass farblich alles perfekt zusammenpasst“, sagt er und lacht. „Ich hatte ein Hawaiihemd mit weiß-blauem Muster, dazu blaue Dreiviertelhosen und blaue Gummischuhe.“
Schon damals zeigte sich jedoch, wie sehr ihn das Spiel von Rollen und Charakteren faszinierte. „Ich wollte mich schon immer wie eine Filmfigur anziehen“, erinnert er sich. „Ich habe mich in Militärklamotten geworfen und mit meinen Freunden Krieg gespielt.“
Als Teenager entwickelte sich Schneiders Style in eine Richtung, die damals – nicht immer wohlwollend – als „Grebo“ bezeichnet wurde. „So wurden wir genannt, weil wir Skateboard gefahren sind und Limp Bizkit gehört haben“, erklärt er.
Wir kamen aus einer ziemlich verschlafenen Kleinstadt. Unsere Form der Rebellion war toughe Musik. Und das prägt natürlich auch die Art, wie man sich kleidet.
Trotzdem schloss sich Schneider nie nur einer bestimmte Clique an. „In der Schule war ich irgendwie ein Chamäleon“, erzählt er. „Ich gehörte nie richtig zu einer festen Gruppe – ich war überall ein bisschen mit dabei.“
Nebenbei stand Schneider als Sänger einer Band auf der Bühne – und erlebte dabei etwas, das fast zu gut ist, um wahr zu sein: Ausgerechnet seine Band übernahm versehentlich den Headliner-Slot von Bring Me The Horizon. „Die wollten unbedingt ihren letzten Zug nach Hause erwischen“, sagt er und lacht. „Also haben sie uns kurzerhand als letzte Band auf die Bühne geschickt.“
Obwohl Mode schon früh eine große Rolle in seinem Leben spielte, blieb ihm lange verborgen, was hinter den Kulissen eines Fashion-Shootings passiert. „Ich bin mit Magazinen aufgewachsen und habe nie darüber nachgedacht, dass jemand diese ganzen Bilder aufnimmt und zum Leben erweckt“, erzählt er. „Ich wusste gar nicht wirklich, was Styling bedeutet.“ Sein Weg in die Branche entstand eher aus einem Gefühl heraus: Nach seiner Zeit bei Accent zog er nach London, arbeitete zunächst für ein Denim-Label und merkte schließlich, dass seine Leidenschaft auf der kreativen Seite der Mode lag.
Statt zurück an die Uni zu gehen, lernte Schneider direkt im Job. Er begann bei Arena Homme Plus und arbeitete anschließend als Assistent des renommierten Stylisten Stephen Mann. Ab 2015 setzte er schließlich seine eigenen Shootings um.
Heute, mehr als zehn Jahre später, ist Schneider ein gefragter Stylist und arbeitet für Magazine, Marken wie Dr. Martens und zahlreiche Musiker:innen. Seine frühe Begeisterung für Subkulturen prägt noch immer seinen Blick auf Mode. „Ich habe meinen Signature-Style, aber ich liebe es, unterschiedliche Kulturen und Welten zu entdecken“, sagt er.
Als Beispiel nennt er die Biker-Kultur – nicht zuletzt, weil er selbst stolzer Besitzer eines Motorrads ist. „Beim Motorradfahren trage ich bestimmte Dinge, aber ich liebe es genauso, einen Mackintosh-Mantel und einen Anzug zu tragen.“ Wie viele Stylisten hält Schneider wenig von Trends. „Ich trage nie etwas, nur weil es gerade angesagt ist“, sagt er. „Sobald ich merke, dass etwas zum Trend wird, gehe ich meistens in eine andere Richtung.“
Bands sind für ihn die perfekte Bühne, um Charaktere zum Leben zu erwecken. Seine Zusammenarbeit mit Fontaines D.C. begann auf Empfehlung des Fotografen Theo Cottle. Gemeinsam entwickelten sie das Artwork für das Album Romance aus dem Jahr 2024. „Ich blieb mit [Sänger] Grian [Chatten] in Kontakt und schickte ihm immer wieder kleine Ideen und Dinge, von denen ich dachte, dass sie zum Thema des Albums passen könnten“, erzählt Schneider. Darauf folgten mehrere Shootings. „Wir wollten die Geschichte hinter dem Album mit dem Styling weiter erzählen – das hat unsere Zusammenarbeit noch einmal gefestigt“, sagt er. „Ich glaube, wir haben eine Verbindung aufgebaut, weil ich verstanden habe, wohin sich die Band entwickeln wollte.“ Schließlich übernahm Schneider auch das Styling für ihre 2025 Tour.
Auch neben der Musik gibt es eine lange Liste von Menschen, mit denen Schneider gerne zusammenarbeiten würde. Dazu gehören Viggo Mortensen, Mads Mikkelsen und Daniel Day-Lewis. „Sie haben oft diese harten, unnahbaren Rollen gespielt, aber gleichzeitig eine sehr romantische und sanfte Seite“, sagt er. Dabei geht es ihm gar nicht unbedingt darum, sie klassisch zu stylen, wie er erklärt. Vielmehr würde er sie gerne „in ein paar schöne Kleidungsstücke stecken und einfach mit ihnen zusammensitzen und reden“.
Nach einem Jahrzehnt voller Karriere-Wachstum, scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis auch diese Ikonen auf seiner Kundenliste stehen werden. Nach dem Gespräch über seinen bisherigen Weg erkennt selbst Schneider, dass er genau dort angekommen ist, wo er sein möchte.
„Ich komme aus Yorkshire – bei uns redet man nicht groß über solche Dinge, man macht einfach weiter“, sagt er rückblickend. „Es ist schön, irgendwann sagen zu können: Ich habe das ganz gut gemacht. Man fängt im Store an und denkt nicht daran, irgendwann eine Band wie Fontaines auf der Hauptbühne eines großen Festivals zu stylen. Es war eine spannende Reise.“ Und sie ist noch lange nicht vorbei.
WAS MACHT DICH GLÜCKLICH?
Durch die Wälder streifen – mit meiner Partnerin und meinem Hund
„Ich war vor Kurzem in Yorkshire und wir sind durch die Wälder rund um Skipton Castle gelaufen. Es ist einfach wunderschön. Solche Momente bringen wieder Balance ins Leben.“
Motorrad fahren
„Ausflüge mit meinen Freunden fühlen sich immer wie ein kleines Abenteuer an. Wir fahren gemeinsam quer durchs Land. In Europa war ich bisher noch nicht unterwegs, aber das wollen wir diesen Sommer ändern.“
Gärtnern
„Ich bin vor Kurzem umgezogen und wir haben einen riesigen Garten – ein großes Projekt. Ich würde nicht behaupten, dass ich besonders gut darin bin, aber letztes Jahr haben wir Pflanzen gesetzt und Kies verteilt. Ich verbringe einfach gerne Zeit im Garten. Es ist so ein schöner Ort zum Abschalten.“